Hast du Klamotten daheim, die du magst und bei denen du denkst: „Ja, ist ja hübsch, aber wo soll ich das anziehen?“ Oder hast du Kleider, die du sehr gerne mal anziehen würdest, aber du getraust dich nicht, weil sie „zu krass“ oder zu „auffällig“ sind?
Die Angst davor, was andere über mich denken, ist bei mir leider ein allgegenwärtiges Thema und so sehr ich auch versuche, diese Angst loszuwerden, komplett geschafft habe ich es bis jetzt noch nicht.
Aber ich mache Fortschritte und falls du dasselbe Problem wie ich hast, möchte ich dir heute helfen, damit auch du Fortschritte machen kannst.
Ich liebe es, hübsche Klamotten zu tragen und Outfits zu planen, die von den zahlreichen Aesthetics, die es gibt, inspiriert sind. Fairycore, Goblincore oder Dark Academia – ich orientiere mich sehr gerne an diesen und weiteren Richtungen. Ich mag es, wie eine Fee ohne Flügel auszusehen oder wie eine Piratin mit Landgang. Hemden mit extravaganten Ärmeln, Röcke, die schier aus mehr Stoff genäht sind als mein Bettzeug – genau mein Ding. Manchmal laufe ich auch mit Klamotten rum, die aussehen, als hätte sie schon deine Oma oder dein Opa getragen – oder ihre Omas und Opas.

Und wenn es mich so glücklich macht, in diesen Klamotten rumzulaufen, wieso sollte ich es dann nicht einfach tun? Das Leben ist zu kurz, um es in langweiliger Kleidung zu verbringen.
Was ich hingegen nicht so mag, ist diese Angst und das schlechte Gefühl, das sich in mir breit macht, sobald ich meine Wohnung verlasse und anderen Menschen begegne. Es ist absurd und doch ist dieses Gefühl – eine Altlast meiner Vergangenheit – stets da.
So wohl ich mich daheim auch gefühlt habe in meiner Kleidung – draußen kann es schnell passieren, dass ich mich fühle, als würde ich ein Kostüm tragen. Dabei sehe ich super aus! (Und ich habe ja keine Feenflügel an – also ist es kein Kostüm.)
Aber auch wenn ich mir das sage, wissen wir alle, dass es leider nicht reicht, um den Kopf umzustimmen.
Es wird alles besser
Die Zeiten haben sich geändert – sowohl allgemein, als auch in meinem Leben.
Wo du wohnst, hat einen großen Einfluss darauf, wie unbegründet die Angst vor komischen Blicken ist. Wenn ich in meiner schönsten Aufmachung mit Korsage, langem Rock und imposanten Ärmeln durchs Land reise, merke ich stark, wie unterschiedlich die Leute auf mich reagieren. Nicht jeder Ort ist gleich aufgeschlossen und das kann von Land zu Stadt natürlich auch extrem variieren. Aber im Grunde geht es uns diesbezüglich so gut wie noch nie.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie eingeschränkt meine Möglichkeiten erschienen, als ich noch zur Schule ging. Zum einen habe ich damals an einem Ort gelebt, wo die Toleranz allgemein schon etwas niedriger war. Aber es waren natürlich auch andere Zeiten. Ich denke schon nur an so Aussagen wie: „Eine Tätowierung? Damit findest du nie im Leben einen Job“.
Das Gute aber: es wird immer besser. Das „Tragen, was auch immer du willst“ wird immer mehr zum Mainstream und das finde ich wundervoll. Ich wünschte, wir wären schon so weit, dass wir alle jederzeit anziehen könnten, was auch immer wir möchten, ohne dabei böse Stimmen und Angst im Kopf zu haben.
Warum du nicht auf deine bösen Stimmen hören solltest:
Bei all den Dingen, die unsere bösen Stimmen uns einreden, vergessen wir manchmal, dass das nur unser eigener Kopf ist, der diese Dinge sagt. Nur weil die bösen Stimmen uns dieselben Sachen immer und immer wieder erzählen, heißt es nicht, dass sie wahr sind und die allgemeine Meinung der Gesellschaft widerspiegeln.
Ich habe hier vier Punkte für dich, die dich zum Nachdenken und Überdenken der bösen Stimmen anregen sollen.
- Oft ist es überhaupt nicht so schlimm, wie du denkst. Einige Outfits sehen für dich möglicherweise an deinem Körper fremd aus. Aber das bedeutet nicht, dass sie für Leute, die dich nicht kennen, auch so „unnatürlich aufgestylt“ aussehen.
- Was kümmert es andere Menschen, wie für sie fremde Leute angezogen sind? Wenn sie sich darüber ernsthaft aufregen, dann liegt das Problem ganz eindeutig bei ihnen und ihrer verbitterten Sicht auf die Welt. Davon solltest du dir deine Freude auf keinen Fall verderben lassen.
- Die Menschen wissen nicht, wo du warst oder wohin du gehst. Wenn du aufgetakelt wie eine Prinzessin durch die Regale im Supermarkt schlenderst, ist es ja gut möglich, dass du auf deinem Heimweg noch kurz einkaufen wolltest. Wo auch immer du davor warst – deine Aufmachung war an diesem Ort bestimmt durchaus angemessen.
- Am Ende kümmert es die meisten Menschen schlicht und einfach nicht. Jeder lebt in seiner eigenen Welt und hat mit seinen eigenen Gedanken zu tun. Die meisten Leute nehmen dich zur Kenntnis und machen dann weiter mit ihrem Leben.
Ein Erfahrungsbericht
Es braucht Mut, den bösen Stimmen in deinem Kopf entgegenzutreten und mit deinem tollen Outfit vor die Tür zu gehen. Aber das Ganze kann entgegen meinen Befürchtungen auch super gut laufen.

Vor einigen Tagen war ich mit dieser Bluse unterwegs. Diese Bluse lag schon seit Monaten in meinem Schrank und immer wieder dachte ich mir, dass irgendwann der perfekte Moment kommt, an dem ich sie anziehen kann.
Eines Tages war es dann aber ganz unerwartet so weit. Der Moment, auf den ich so lange gewartet habe, war gekommen. Ich habe diese Bluse angezogen – an einem völlig normalen Arbeitstag.
Es war ein guter Tag. Ich war ganz zufrieden und meine schlechten Gedanken hatten nicht die Oberhand. So verspürte ich ausreichend Mut und vor allem Gleichgültigkeit gegenüber der Meinung Fremder bezüglich meiner Kleidung. Das sind immer meine besten Tage – wenn meine Angst davor, was andere über mich denken, minimal ist.
Also spazierte ich mit dieser Bluse und einem schwarzen Maxi-Rock zur Arbeit und musste feststellen, dass sich keiner für mich interessierte. Die Leute beachteten mich so wie immer, keiner sagte etwas und keiner sah mich länger als gewöhnlich an. Es passierte überhaupt nichts von den Dingen, die ich mir monatelang ausgemalt habe. Nein, im Gegenteil, es passierte etwas ganz anderes. Eine freundliche Frau hat mich aufgehalten, um mir zu sagen, dass ich mega gut aussehen würde – „voll episch!“ hat sie gesagt. Und für den Rest des Tages lief ich erhobenen Hauptes durch die Gegend und erinnerte mich immer wieder daran, dass ich heute voll episch aussehe.
Tipps für dich:
Falls ich dich nun etwas inspiriert habe (und das hoffe ich doch sehr), dann habe ich noch kurz einige Tipps für dich.
- Du musst nicht in voller Montur rausgehen. Entscheide dich für ein ausgefallenes Teil und trage dazu ausschließlich Basics. Somit hältst du dein Outfit so „normal“ wie nur möglich.
- Du musst nicht alleine rausgehen. Nimm jemanden mit, den du magst. Wenn mein Freund dabei ist, habe ich erstaunlich weniger negative Gedanken bezüglich meines Outfits.
- Für den Anfang kannst du dich auch stylen, wie du möchtest und dann daheim bleiben. Mache es einfach nur für dich und dein Wohlbefinden. Schau dich im Spiegel an und erfreue dich an deinem Outfit, ganz ohne irgendwo hingehen zu müssen.
- Wenn du ein Auto hast, kannst du auch irgendwo hinfahren, wo dich keiner kennt und dort erst einmal als heimliche Fee rumrennen. Wenn du dich dort wohl genug fühlst, kannst du das nächste Mal ja vielleicht auch bei dir daheim in der Umgebung etwas Ausgefallenes tragen.
Und? Hast du dieses eine Kleidungsstück im Kopf, das genau passt zu den Sätzen à la „Irgendwann kommt der richtige Moment, um es zu tragen“? Wie wäre es, wenn du es beim nächsten Mal trägst, wenn du einfach nur einkaufen gehst? Denk daran: Keiner weiß, wo du davor warst.
Und irgendwann trägst du dieses Stück vielleicht schon bei der Arbeit, wenn du das willst. Mit jeder guten Erfahrung trainieren wir unsere bösen Stimmen, bis auch sie lernen, dass nicht alles stimmt, was sie uns eintrichtern wollen. Und so schaffen wir es gemeinsam, Fortschritte zu machen, immer mehr Mut aufzubauen und unserer Angst entgegenzutreten.
Ich wünsche dir einen wundervollen Tag oder Abend und genügend Mut, um dich nicht zu kümmern, was fremde Menschen über dich denken! Bis zum nächsten Mal 😊
-Angi
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