Basteln

Mein Rock Upcycling – Ein Erfahrungsbericht voller Chaos

Nähen… So genau weiß ich noch immer nicht, ob ich gerne nähe oder nicht. Ich glaube, es ist sowas wie eine Hass-Liebe, die mich mit meiner Nähmaschine verbindet. Das liegt aber keinesfalls an meiner Maschine. Meine Bernina ist super. Das Problem liegt auf jeden Fall bei mir und der Tatsache, dass genähte Dinge meist so einfach aussehen. Dabei verstecken sich dahinter mehrere Stunden Arbeit, viel Wissen und eine gute Portion Talent.
Aber trotzdem setze ich mich immer wieder mal an meine Nähmaschine und bin danach mal mehr und mal weniger zufrieden. Nach meinem neuesten Rock-Upcycling-Projekt war ich zwar am Ende zufrieden, das Ergebnis entsprach aber überhaupt nicht meinem ursprünglichen Plan.

Von Plan A zu Plan Chaos

Dies ist eine Geschichte über ein wehrhaftes Spannbetttuch, ein unbenutztes Maßband und die Erkenntnis, dass Scheitern nicht immer endgültig ist.

Ich bin schnell mal paranoid, wenn es um die Länge meiner Röcke geht. Auch wenn ich Miniröcke durchaus hübsch finde, habe ich ständig Angst, dass die ganze Welt meinen nackten Hintern sieht. Ganz egal, ob mein Hintern jetzt gut verpackt ist oder nicht – meinem Kopf ist das egal.


Mit solchen Gedanken will ich mich aber nicht beschäftigen und so war es mein Plan, diesen Rock auf eine Länge zu bringen, mit der ich unbeschwert durch die Welt hüpfen kann, ohne ständig an meinen Hintern denken zu müssen. Außerdem habe ich schon mehrere solcher schwarzen Röcke und so viele brauche ich ja nicht. Also sollte aus ihm etwas Neues werden.

Mein Plan war ein Stufenrock – ungefähr so wie auf dem Bild.
In der Theorie ist das einfach. Ich bräuchte nur zwei rechteckige Stoffteile, die jeweils etwas länger wären als das Stück davor. Ich müsste die Breite meines Rockes, den ich als Basis nehme, messen, ein bisschen rechnen und den Stoff zuschneiden. Aber so einfach das klingt – schon beim ersten Schritt bin ich schier verzweifelt.

Und wie dann alles scheiterte

Zum Verlängern wollte ich ein altes Spannbetttuch von mir benutzen. Da sich über die Zeit das ein oder andere Loch reingeschlichen hatte, habe ich es aussortiert. Es waren aber noch genügend Stellen unbeschädigt, um daraus meine Visionen zu verwirklichen. Und das hätte möglicherweise auch funktioniert, wenn ich von Anfang an den gesamten Gummizug an den Rändern abgeschnitten hätte. Stattdessen schnitt ich einfach nur die eine Seite ab, machte mir dann das Leben schwer, richtete den Stoff abermals und versuchte, ihn flach hinzulegen. Dabei probierte ich, irgendetwas Vernünftiges zu messen und das alles mit dem Plan, etwas zu erschaffen, das nicht aussieht, als hätte es ein Vorschulkind gemacht. Mein Vorhaben war zum Scheitern verurteilt.
Bevor ich meine Motivation verlieren und den ganzen Rock hinschmeißen würde, beschloss ich dann, meine ursprünglichen Pläne über den Haufen zu werfen. (Statt einfach den gesamten Gummizug abzuschneiden. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass das schon sehr viel geholfen hätte. 🥲)

Nach einer Tasse Tee und einigen bösen Blicken in Richtung meines Spannbetttuches ging ich mit neuer Inspiration ans Werk. Mein neuer Plan war simpel: statt perfekt zu messen und alles schön gleichmäßig zu machen, schnitt ich einfach drauf los. Und plötzlich hatte ich schon fast Spaß dabei.

Anstelle von zwei perfekt gemessenen Rechtecken schnitt ich also Teile zu, die mehr als nur vier Ecken hatten. Mein Maßband lag dabei die ganze Zeit unbenutzt neben mir und sah mir dabei zu, wie ich weniger auf exaktes Messen und mehr auf mein Gefühl setzte.

Damit du besser verstehen kannst, welche Formen ich ausgeschnitten habe, habe ich dir eine kleine Zeichnung angefertigt. Ungefähr so sahen meine Zuschnitte aus.

Wie doch noch alles gut wurde

Um meinen Rock noch etwas interessanter zu machen, benutzte ich diesen… Faden? Das Knäuel fand ich in einem Second-Hand-Shop und schon jetzt finde ich es schade, dass ich nur eines davon habe. Für mich sieht der Faden ein bisschen aus wie kleine Spitze und so benutzte ich ihn, um meine Nähte zu verstecken. Das Ergebnis fand ich super!

Zwischenzeitlich sah der Rock dann so aus. Ich weiß, bügeln hätte ich das Ganze auch sollen. Wie man sieht, ist das aber nicht passiert.
Zufrieden mit dem Ergebnis war ich aber noch nicht. Der obere Teil sah mir viel zu leer aus für den beschäftigten unteren Teil. Glücklicherweise hatte ich aber noch genügend Stoff, um weiterzumachen.

Also nähte ich am Bund auch noch einige meiner unförmigen Stücke an, versteckte die Naht mit dem Spitzen-Faden und war danach eigentlich ganz zufrieden – auch wenn der ganze Prozess ewig gedauert hat. 🥲

Am Ende ist mein Rock deutlich dicker und wärmer geworden als zuvor. Schlimm finde ich das aber überhaupt nicht. Somit habe ich schon mal den perfekten Rock für den Herbst gemacht.
Das Endresultat ist deutlich auffälliger als meine ursprüngliche Vision, aber auch das finde ich okay. Der Rock hat für mich irgendwie Dark Fairycore Vibes.

der fertige Rock von vorne
der fertige Rock von hinten

Nun bedanke ich mich herzlich dafür, dass du mir und meiner kleinen Geschichte zugehört hast.
Wie sieht es bei dir mit Nähen aus? Hast du beim Lesen stets den Kopf geschüttelt und dem Bildschirm meine ganzen Fehler erklärt oder hast du auch nicht so viel Ahnung von dieser Magie namens „Nähen“? Schreibe es doch gerne in die Kommentare. 😊

Nun wünsche ich dir einen wundervollen, kreativen Tag oder Abend! Schön, dass du da bist!

-Angi

Falls du noch mehr Lust auf kreative Projekte hast, kannst du ja mal hier vorbeischauen.

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