„Das Leben romantisieren“ Vielleicht hast du davon auch schon mal gehört. Vielleicht versuchst du auch schon, jeden Tag etwas mehr zu romantisieren. Falls das aber alles noch neu für dich sein sollte: Das Leben romantisieren bedeutet, im Hier und Jetzt zu leben und dem aktuellen Moment mehr Anerkennung zu schenken. Es geht nicht darum, sich Probleme schönzureden oder überspitzt immer nur die guten Dinge zu sehen. Es geht darum, achtsam zu sein, den kleinen Dingen Beachtung zu schenken und im Alltag dafür zu sorgen, dass wir uns auch mit schönen Sachen umgeben, die uns glücklich machen.
Das können kleine Dinge sein wie beispielsweise das bewusste Trinken deines Lieblingstees. Die Vorfreude auf den ersten Schluck, während du dir das Wasser kochst und dir die passende Tasse für den heutigen Tag aussuchst. Die Freude über das warme Gefühl, wenn du den Tee schluckst und das wohlig angenehme Aroma. Oder es ist der Moment, wenn du dir Zeit nimmst, dein Abendessen nur für dich selbst hübsch anzurichten und es zu genießen.

Es ist das bewusste Innehalten und Wahrnehmen dieser kleinen Freuden. Das ist dieses sogenannte ‚Leben romantisieren‘.“
Ich versuche jeden Tag, mein Leben etwas zu romantisieren. Es gibt mir das Gefühl, mein Leben tatsächlich zu leben und hilft mir auch, einige Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das kann enorm helfen, um mit schlechten Gefühlen umzugehen.
Außerdem macht es mich glücklich, in meinem Kopf Dinge zu romantisieren, an denen andere Leute womöglich achtlos dran vorbei hetzen. Das gibt mir das Gefühl, der Hauptcharakter meiner eigenen Geschichte zu sein.
Wie ich versuche, mein Leben zu romantisieren und welche Anmerkungen ich dir dafür geben möchte, erzähle ich dir heute.
Die Sache mit der Wahrnehmung
Wie wir auf Dinge und unsere Umgebung reagieren, kann sehr unterschiedlich sein und mit einer anderen Einstellung können die selben Begebenheiten ganz unterschiedlich interpretiert werden. Wenn man mal verstanden hat, wie sehr unsere Einstellung und die Sicht auf Dinge entscheidet, wie wir ein bestimmtes Ereignis wahrnehmen, dann kann man bewusst dafür sorgen, glücklicher zu sein. Ich habe es schon oft ausprobiert und es funktioniert tatsächlich. Nicht alles, aber sehr vieles ist nur eine Sache der Einstellung. Seit ich mich im Alltag immer und immer wieder daran erinnere, rege ich mich über viel weniger Dinge auf als zuvor. Es trübt meine Stimmung jetzt viel weniger oder sogar überhaupt nicht mehr, wenn mein Zug mal verspätet ist, das Wetter nicht so sonnig, wie ich es gerne hätte oder ich einen korrigierbaren Fehler mache.
Sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann, bringt sowieso nichts als Wut, Resignation und schlechte Vibes. Alles Dinge, die wir wohl alle nicht so mögen.
Was hat das jetzt aber damit zu tun, das Leben zu romantisieren? Vieles! Nehmen wir das Beispiel mit dem verspäteten Zug: Früher habe ich in diesen Minuten nur auf die Anzeigetafel gestarrt und mich innerlich aufgeregt. Heute nutze ich genau diese ungeplante Zeit anders. Ich schaue mir die Menschen auf dem Bahnsteig an und erfinde kleine Geschichten zu ihnen. Ich lese ein paar Seiten in meinem Buch oder beobachte einfach, wie das Licht auf die Gleise fällt. Manchmal sehe ich mir auch bestimmte Dinge um mich herum ganz genau an, frage mich, wie der Bahnhof wohl gebaut wurde und was schon alles passiert ist an der Stelle, an welcher ich gerade stehe. Auf einmal ist aus einer verlorenen Wartezeit ein kleiner, ungeplanter Moment für mich geworden – ein Abenteuer nur in meinem Kopf.
Das ist es, was ich meine, wenn ich sage, dass Einstellung und Romantisieren zusammenhängen. Der Zug ist immer noch verspätet – daran ändert sich nichts. Aber ich entscheide, ob ich diese Minuten mit Ärger fülle oder mit einem kleinen Stück bewusst gelebtem Leben. Die Situation bleibt exakt gleich, nur mein Blick darauf verändert sich. Genau in diesem Blick liegt der ganze Unterschied zwischen einer verlorenen und einer geschenkten Viertelstunde. Und genau da beginnt das Romantisieren – nicht als Verdrängung der Realität, sondern als bewusste Entscheidung, in ihr etwas Schönes zu suchen, wo vorher nur Ärger war.
Lebe in deinem eigenen Film
Hast du schon mal Filmausschnitte gesehen, bei denen jemand andere Musik untergelegt hat? Wenn ja, dann weißt du, wie sehr die Stimmung eines Filmes mittels Musik vermittelt wird. Durch den Soundtrack werden so viele Gefühle ausgedrückt und erst das macht aus dem Film einen Liebesfilm, einen Thriller oder eine Komödie. Tauscht man die Musik aus, wirken die Szenen plötzlich komplett anders.
Wenn du dieses Prinzip auf dein eigenes Leben anwenden möchtest, geht es also nicht darum, was du tust und erlebst. Es geht nicht um die Geschichte, sondern um die Musik, die dazu spielt – darum, welche Gefühle du diesen einzelnen Szenen zusprichst. Durch Ändern deines Blickwinkels steht jeder Moment in einem anderen Licht.
Beispielsweise kann man sich darüber aufregen, dass es regnet und alles grau ist. Oder man kann die Fenster öffnen, die frische, kalte Luft einatmen und den Geruch des Regens wahrnehmen. Man kann sich darüber freuen, dass die Pflanzen Wasser bekommen und dadurch mit neuer Kraft weiterwachsen können. Man kann im Regen tanzen, mit einem warmen Getränk spazieren gehen und sich dabei wie in einem Film fühlen oder zurückversetzt in die Zeiten, als man noch ein Kind war. Oder man kann es sich daheim mit einem guten Buch, einer kuscheligen Decke und einer heißen Tasse Kaffee gemütlich machen, Kerzen anzünden und dem Regen zuhören.
Das sind alles tolle Möglichkeiten, um auch einen verregneten Tag zu romantisieren und ihn zu einem denkwürdigen Ereignis deines Lebens zu machen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie man auf Regen reagieren kann und wie man mit einem kleinen Perspektivenwechsel auch einen Regentag zu einem Lieblingstag machen kann. Zu realisieren, dass sehr vieles nur eine Sache der Einstellung ist, ist ein riesiger Schritt in Richtung glücklich sein.
Wir können nicht komplett wählen, wie unser Leben verläuft und was wir alles erleben. Aber wir haben die Kontrolle darüber, wie wir diese Momente erleben, interpretieren und aufnehmen. Wir können sie als Teil unserer Geschichte sehen und daran denken, dass in guten Filmen auch nicht alles immer perfekt läuft. Es wäre ja eine langweilige Geschichte, wenn es keine Höhen und Tiefen gäbe.
Bleibe auch beim Romantisieren achtsam
Natürlich ist es nicht einfach, 24/7 die Glückseligkeit aufrecht zu erhalten und wie ein Rehkitz in einem Cottagecore-Film unbeschwert durch die Welt zu hüpfen. (Auch wenn ich mir das echt sehr romantisch und schön vorstelle.) Aber das Leben ist nun mal so, dass wir immer wieder mit Dingen konfrontiert werden, die es einem nicht gerade leicht machen, das Leben zu romantiseren und die Sache so zu akzeptieren, wie sie ist. Aber genau wegen diesen Dingen ist es wichtig, dass wir weiterhin das Schöne und die Magie um uns herum sehen. Denn sollten wir damit irgendwann aufhören, wäre die Welt nur noch ein sehr grausamer Ort.
Jedoch gibt es auch Dinge, bei denen das Romantisieren aufhören sollte. Bei ernsthaften psychischen oder körperlichen Beschwerden ist jegliches Romantisieren natürlich kontraproduktiv. Deine Geschichte soll ein Happy End haben und nach jedem Tief sollte auch wieder ein Hoch kommen.
Das wollte ich nur kurz gesagt haben. 😊
Was DU jetzt tun kannst:
Wenn du möchtest, gebe ich dir eine kleine Aufgabe auf den Weg, die du noch heute oder morgen tun kannst.
Suche dir etwas aus, das dir Freude macht. Das kann ein Hobby sein, dir den Sonnenuntergang anzusehen oder dein Lieblingseis zu essen. Du kannst aber auch nur ein paar Minuten im Garten sitzen und den Vögeln zuhören. Nimm dir bewusst Zeit für diese Aktivität und bleibe dabei bewusst im Hier und Jetzt. Erlebe jede Sekunde für Sekunde. Wenn du willst, stelle dir vor, dein Leben wäre ein Film oder ein Buch und überlege dir deinen passenden Soundtrack dazu. Genieße deine Zeit und sei dankbar dafür, dass du sie erleben darfst.
Ich wette mit dir, es wird dir guttun, deine eigene Geschichte zu schreiben, auch wenn sie nur in deinem Kopf ist. Nur du hast in der Hand, welches Genre sie haben wird und mit welchem Soundtrack du sie ausstattest.
Jetzt wünsche ich dir einen wundervollen Tag oder Abend und ich hoffe, dass du etwas Glückseligkeit und Romantik in deinen Alltag etablieren kannst.
– Angi
Falls du Lust hast, noch mehr zum Thema ‚Mindset‘ und ‚Glücklich sein im Alltag‘ zu lesen, wäre mein Artikel über Glimmer möglicherweise etwas für dich.



